Hilfe Mobbing! – Oder doch nur Kritik an der Arbeitsweise?
Freitag 3. April 2009 von loewetv
Das Thema Mobbing hat seit einigen Jahren erheblich an Brisanz zuge-
nommen, denn immer mehr Menschen sind davon betroffen.
Sie werden zum Teil so massiv schikaniert, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Arbeit zu er-
ledigen. Dies führt in häufigen Fällen zu erheblichen Fehlzeiten (ständige Krankmeldungen) oder bis hin zur Kündigung des Betroffenen. Manche Mobbing-Opfer lassen den Psychoterror über einen sehr langen Zeitraum über sich ergehen, da sie Angst haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Doch die Folgen von Mobbing gehen weit über den bloßen Verlust der Lebensqualität des Mobbing-Opfers hinaus.
Mobbing führt oftmals zu massiven gesundheitlichen Schäden, Betroffene leiden meist jahrelang, bis sie wieder ein normales, soziales Leben führen können. In Extremfällen führt Mobbing Menschen als letzten Ausweg zum Suizid (Selbstmord). Ein
trauriges Beispiel dafür, wozu Mobbing führen kann, ist der bekannt gewordene Fall der damals 24-jährigen Polizistin Stefanie L. Sie hatte sich im Juli 1997 im Haus ihrer Eltern erschossen. Sie hatte zuvor wiederholt über Mobbing am Arbeisplatz geklagt.
Oft schauen die Arbeitskollegen des Gemobbten zu, ohne zu Helfen, nur aus der Angst heraus, selbst gemobbt zu werden.
Nicht selten ist den Mobbern die Tragweite ihres Verhaltens gar nicht bewusst.
Welche Personen werden gemobbt?
Grundsätzlich kann jeder Mensch ein Opfer von Mobbing werden. Denn verschiedenste Ursachen können zu Mobbing führen.
Mobbing tritt in allen Gesellschaftsbereichen auf, in denen Menschen in sogenannten Zwangsgemeinschaften (Schule, Arbeitsplatz) zusammentreffen. Überall wo Menschen auf-
einandertreffen exestiert auch immer ein gewisses Konflikt-
potential. Doch man kann sagen, dass ein Mitarbeiter, der nicht von einer anerkannten Gruppe von Mitarbeitern geschützt wird, eher ein Opfer von Mobbing wird. Auch Einzelgänger werden eher gemobbt. Wer darüber hinaus durch besondere Persönlichkeits-
merkmale (Piercing, auffällige Kleidung, Sprachfehler oder anderes) auffällt, kann durch die gebotene “Angriffsfläche” unter Umständen leichter zu einem Mobbing-Opfer werden.
Welche Personen sind grundsätzlich eher gefährdet als andere?
- alle Mitarbeiter, die nicht zum festen Kern der Belegschaft
gehören
- ausländische Mitarbeiter
- zugezogene Mitarbeiter aus einer anderen Region Deutschlands
- neue Mitarbeiter
- Mitarbeiter die im Betrieb besonders aufgestiegen sind
- ältere Mitarbeiter
- Einzelgänger
- zurückhaltende Mitarbeiter, die eher schüchtern sind
(wird am Arbeitsplatz oft für Arroganz gehalten)
- Auszubildende
Welche Gründe können zu Mobbing führen?
Eine große Rolle spielen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die zunehmende Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Angst um den eigenen Arbeitsplatz sind wichtige gesellschaftliche Ur-
sachen für das Aufkommen von Mobbing. Auch Neid und Eifersucht können die Gründe für Mobbing sein. Machtkämpfe im Betrieb können unter Umständen darüber entscheiden, welcher Mitarbeiter gekündigt wird, wenn es zu Entlassungen kommt. Man unter-
scheidet dabei zwischen Mobbing, dass von Kollegen ausgeht und solchem, welches von einem Vorgesetzten begangen wird. Letzteres wird in der Literatur häufig auch als sogenanntes Bossing bezeichnet.
Einige Beispiele für Handlungen, die man als Mobbing bezeichnen kann:
- Kollegen sprechen hinter Ihrem Rücken schlecht über Sie
- Ihnen wird körperliche Gewalt angedroht
- Sie werden sexuell belästigt
- Ihre Möglichkeiten sich frei zu äußern, werden stark
eingeschränkt (ständiges Unterbrochen werden)
- Sie werden oft angeschrien und kritisiert,
Ihrer Meinung nach zu Unrecht
- Sie werden mit Telefonterror belästigt
- die Kollegen hören auf zu sprechen, sobald Sie den
Raum betreten
- Sie werden von Ihren Kollegen ausgegrenzt
- Sie bekommen nur sinnlose Aufgaben zugewiesen
- Ihre Kollegen werfen Ihnen abwertende Blicke zu oder
machen beleidigende Gesten oder Bemerkungen
- die Kollegen bringen Gerüchte über Sie in Umlauf
- die Kollegen machen sich über Ihre Behinderung lustig
(zum Beispiel starkes Brillenglas, humpeln beim Gehen)
- Kollegen oder der Chef benutzen Ihnen gegenüber Schimpfworte
- es wird körperliche Gewalt gegen Sie eingesetzt
- man versucht, Sie zu schädigen indem man zum Beispiel
Arbeitsmaterialien zerstört oder sogar entwendet
- Ihre Gesten oder Ihr Lachen wird nachgeäfft
- man überlässt Ihnen Arbeiten, die Ihrer Gesundheit
schaden könnten (beispielsweise das Tragen von schweren
Gegenständen während einer Schwangerschaft)
- Sie werden von Ihren Kollegen lächerlich gemacht
- Sie werden in ein abgelegenes Büro versetzt
Welche gesundheitlichen Folgen kann Mobbing für die Betroffenen haben?
- Deppression, Selbstzweifel
- Herz-Kreislaufbeschwerden
- Rückenschmerzen
- Nervenzusammenbrüche
- Magen-Darm Beschwerden
- Panikattacken
- soziale Isolation
- Schlafstörungen
- Konzentrationsschwächen
- Antriebslosigkeit
- Selbsttötungsgedanken und Suizid
Doch wo liegt der Unterschied zwischen gewöhnlicher
Kritik an der Arbeitswweise und Mobbing?
Mobbing ist keine Kritik oder Handlung, die aufbauend auf Sie
wirken soll, sondern einzig und allein den Zweck verfolgt, Sie zu schädigen.
Zumeist handelt es sich um direkte Angriffe auf Ihre Persönlichkeit.
Mit diesem entscheidenden Merkmal wird auch die Grenze zu der
üblichen, wichtigen Kritik erkennbar.
Mit der steigenden Sensibilität von Arbeitnehmern gegenüber dem Thema Mobbing vermutet so mancher Arbeitnehmer zu Unrecht,
ein Opfer von Mobbing-Angriffen zu sein.
Doch nicht jede Art von Auseinandersetzung am Arbeitsplatz soll schließlich dem Anderen schaden, sondern helfen, Fehler zu er-
kennen und seine Arbeitsweise zu verbessern.
Was können Sie tun, wenn Sie ein Opfer von Mobbing sind?
Nehmen Sie es nicht einfach hin, gemobbt zu werden! Wehren Sie sich!
Ihr Vorgesetzter hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern. Sie können sich an Ihren Vorgesetzten wenden, an den Betriebsrat oder an andere Kollegen. Diese sind auch wichtige Zeugen, die die Mobbing-Vorfälle bestätigen können, falls es zu einem Prozess kommt.
Suchen Sie verbündete Gesprächspartner im Arbeitsbereich. Hilfe können auch Beratungsstellen der Gewerkschaften, Kranken-
kassen, Psychologen oder Selbsthilfegruppen bieten.
Sollten Sie eine Kündigung des Arbeitsplatzes in Erwägung ziehen, sprechen Sie dies unbedingt vorher mit der Agentur für Arbeit ab.
Sie können auch juristische Hilfe beim Arbeitsgericht oder bei einem Anwalt in Anspruch nehmen. Eine Klage ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn es sich nachweislich um Straftaten wie üble Nach-
rede oder Verleumdung handelt.
In jedem Fall ist es ratsam, täglich ein sogenanntes Mobbing-Tagebuch zu führen.
Wichtige Punkte, die in einem Mobbing-Tagebuch stehen sollten:
- Wer hat etwas gesagt oder getan?
- Wann und wo war der Vorfall?
- War jemand Zeuge?
- Wer war Zeuge?
- Wie habe ich mich davor verhalten?
- Wie habe ich mich danach verhalten?
- Wie habe ich mich gefühlt?
- Hatte ich nach diesem Vorfall gesundheitliche Beschwerden?
- Falls ja, welche?
Notieren Sie auch Vofälle, die Ihnen im Moment als nicht so wichtig erscheinen. Falls Sie per Brief oder Mail bedroht oder angegriffen werden, bewahren Sie die Beweise unbedingt auf! Je mehr Informationen in schriftlicher Form vorliegen, um so größer ist Ihre Chance, den Mobbing-Fall beweisen zu können.
Buchtipps:
Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann (Taschenbuch)
von Heinz Leymann
Kurzbeschreibung:
Menschen, denen am Arbeitsplatz übel mitgespielt wird, fürchten, sie allein seien davon betroffen. Sie werden von Selbstzweifeln geplagt, verlieren ihr Selbstvertrauen und fragen: Was habe ich falsch gemacht? Doch Mobbing hat nichts mit der Persönlichkeit des Opfers zu tun. Es geschieht massenhaft, und es kann jeden treffen.
Mobbing. Psychoterror am Arbeitsplatz und seine Bewältigung. Mit zahlreichen Fallbeispielen: Psychoterror am Arbeitsplatz und seine Bewältigung
von Christa Kolodej
Kurzbeschreibung:
Fundierte und kompakte Darstellung. Es besticht durch seine Kompetenz und zahlreichen Praxisbeispiele.
Helfen Sie Mobbing-Opfern! Schreiben Sie uns, wie Sie das Mobbing am Arbeitsplatz überstanden haben.
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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 3. April 2009 um 21:22 und abgelegt unter Spezial. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
Mittwoch 17. Juni 2009 um 02:55
[...] Situation in allen gesellschaftlichen Bereichen verschärft, eben auch in der Arbeitswelt. „Das Thema Mobbing hat seit einigen Jahren erheblich an Brisanz zugenommen, denn immer mehr Menschen sind davon [...]