Väter im Erziehungsurlaub – Die Auszeit ein Karrierekiller? | Joboffensive

Väter im Erziehungsurlaub – Die Auszeit ein Karrierekiller?

Mittwoch 2. Februar 2011 von loewetv

Vor einigen Jahren war es für die meisten Väter noch undenkbar zu Hause zu bleiben, um den Nachwuchs zu betreuen.

Heute entscheiden sich immer mehr frischgebackene Väter dazu, sich eine berufliche Auszeit zu gönnen, um in den Erziehungsurlaub zu gehen. Die Elternzeit gibt ihnen die Möglichkeit, sich ihrem Kind zu widmen und gleichzeitig den Kontakt zum Beruf aufrecht zu erhalten.

Doch schadet die Erziehungszeit nicht der Karriere?

Viele Väter befürchten auch heutzutage noch das Ende ihrer Karriere, sobald sie in Elternzeit gehen.

Obwohl der Staat rund zwei Drittel des bisherigen Netto-Einkommens bis zu einem Betrag von 1800 Euro zahlt, liegt die Quote der Männer bei Elterngeldbeziehern bei nur 20 Prozent. Bleiben Väter und Mütter mindestens zwei Monate zu Hause, verlängern sie damit den gesamten Elterngeldbezug sogar auf bis zu 14 Monate.

Doch gerade für Väter, die im Unternehmen eine höhere Position einnehmen, ist es schwierig eine berufliche Auszeit für die Erziehung ihres Kindes zu nehmen. Führungskräfte sind oft gezwungen,  in “Bereitschaft” zu bleiben, damit wichtige Entscheidungsprozesse nicht ins Stocken geraten.

Laut Gesetz dürfen Väter und Mütter in Elternzeit bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten. Der Lohn wird dann entsprechend vom Elterngeld abgezogen.

Wer hat Anspruch auf Elternzeit?

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Anspruch auf Elternzeit.

Einen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit haben Beschäftigte:

  • denen die Personensorge für das Kind zusteht.
  • die das Kind des Ehe- oder Lebenspartners (für das Elternzeit genommen werden soll) in ihren Haushalt aufgenommen haben.
  • bei denen es sich um Vollzeit-Pflegeeltern nach § 33 SGB VIII handelt.
  • die das Kind mit dem Ziel der Adoption in ihre Obhut genommen haben.
  • die ein Kind betreuen, dessen Eltern wegen schwerer Krankheit oder Schwerbehinderung die Betreuung nicht wahrnehmen können. Allerdings gilt dieses Recht nur für Mitarbeiter, die bis zum 3. Grad mit dem Kind verwandt sind (Enkelkind, Bruder, Schwester, Neffe oder Nichte) Dafür können dann auch die Partner der Mitarbeiter die Elternzeit beanspruchen.
  • denen die Personensorge für entweder ihr leibliches Kind oder für eines der Kinder in den vorgenannten Fällen nicht zusteht. In diesem Fall ist dann aber die Zustimmung des sorgeberechtigten Elternteils notwendig.

Außerdem muss der Mitarbeiter mit dem Kind in einem Haushalt leben, es selbst erziehen und betreuen.

Mütter und Väter haben je einen Anspruch auf Elternzeit bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres ihres Kindes.

Ein Anteil von bis zu 12 Monaten der maximal dreijährigen Elternzeit kann auch auf die Zeit bis zum 8. Geburtstag des Kindes übertragen werden, wenn der Arbeitgeber zustimmt.

Die Elternzeit kann von jedem Elternteil in zwei Abschnitte aufgeteilt werden. Eine weitere Aufteilung ist mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.

Achtung! Es können nur Arbeitnehmer in Elternzeit gehen. Freie Mitarbeiter können dieses Recht nicht für sich beanspruchen.

Hier einige Antworten auf wichtige Fragen zum Thema “Väter im Erziehungsurlaub”:

Wie kann ich meinem Arbeitgeber am besten sagen, dass ich Erziehungsurlaub nehmen möchte?

Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Chef offen und vor allem auch frühzeitig über Ihren geplanten Vaterschaftsurlaub sprechen, denn Ihr Chef muss möglicherweise Projekte neu besetzen und die Personalplanung ändern. Üben Sie vor dem Gespräch verschiedene Gesprächsabläufe ein, so sind Sie in der Lage flexibel reagieren können. Legen Sie Ihrem Chef Alternativen vor, wie er die Zeit ohne Sie am besten überbrücken kann. Überlegen Sie sich vor dem Gespräch mit dem Chef bereits genau, wie lange Sie vorhaben, die Elternzeit zu nehmen. Sprechen Sie dabei auch Ihren Wiedereinstieg ab.

Habe ich nach dem Erziehungurlaub ein Anrecht auf meinen alten Job?

Ja. Nach dem Ende des Erziehungsurlaubs haben Sie Anspruch, zu den bisherigen Bedingungen weiterbeschäftigt zu werden. Dies kann – je nach Arbeitsvertrag – die Rückkehr an den gleichen oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz bedeuten. Dies muss jedoch vorab vertraglich geregelt werden, da ansonsten kein Anspruch besteht. Ihr Arbeitgeber kann Ihnen jedoch keine geringer entlohnte Stelle zuweisen.

Wann beginnt der Erziehungsurlaub?

Der Anspruch auf Erziehungsurlaub besteht im Anschluss an die Mutterschutzfrist.


Wie lange dauert Erziehungsurlaub längstens?

Er beginnt nach der Mutterschutzfrist (acht bis zwölf Wochen nach der Entbindung) und dauert längstens bis zur Vollendung des 36. Lebensmonats des Kindes. Kürzere Zeiten sind jedoch auch möglich.


Kann ich mich beim Erziehungsurlaub mit meiner Frau abwechseln?

Ja. Wechsel sind möglich. Sind Sie beide erwerbstätig, so können Sie frei bestimmen, wer von Ihnen den Erziehungsurlaub nimmt. Dies gilt auch für unverheiratete Paare.


Wann muss Erziehungsurlaub angemeldet werden?

Der Erziehungsurlaub muss spätestes acht Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber angemeldet werden. Eine Mutter, die den Erziehungsurlaub im Anschluss an die Mutterschutzfrist nehmen will, muss dies spätestens vier Wochen nach der Geburt des Kindes mitteilen. Ein Vater allerdings, der während des zweiten Lebensjahres des Kindes Erziehungsurlaub nimmt, braucht diese Absicht erst vier Wochen vor dessen Beginn einen Arbeitgeber mitteilen.


Muss ich die Länge des Erziehungsurlaubes schon im Vorfeld festlegen?

Ja. Mit der Anmeldung sind die Eltern verpflichtet, auch die Länge des Erziehungsurlaubs festzulegen.


Kann mein Arbeitgeber den Anspruch auf Erziehungsurlaub im Vertrag ausschliessen?

Nein! Der Anspruch kann nicht ausgeschlossen oder beschränkt werden.


Was kann ich tun, wenn mir der Erziehungsurlaub von meinem Chef verweigert wird?

In diesem Fall hat die Erziehungsgeldstelle auf Antrag Ihres Arbeitgebers und mit Ihrer Zustimmung über den Anspruch auf Erziehungsurlaub zu entscheiden.

Für das Elterngeld für Väter gelten folgende Regeln:

  • Die Elternzeit muss spätestens sieben Wochen vor Beginn bei Ihrem Arbeitgeber angemeldet werden.
  • Die beiden Partnermonate müssen ebenfalls sieben Wochen vor Beginn angemeldet werden.
  • Sie haben das Recht, in der Elternzeit bis zu 30 Stunden pro Woche zu arbeiten.
  • Das Elterngeld ersetzt 67% des nach der Geburt wegfallenden monatlichen Erwerbseinkommens, maximal werden 1800 Euro ausbezahlt.
  • Wer erwerbstätig ist kann frei entscheiden, wer von beiden Eltern in Elternzeit geht. Sie können auch gleichzeitig Elternzeit in Anspruch nehmen (zum Beispiel die Partnermonate).

Fazit: So schön die gemeinsame Zeit mit dem Nachwuchs auch ist, eine längerfristige Elternzeit kann sich in manchen Fällen als Karrierekiller entwickeln.

Wie kann man dies vermeiden?

Es ist in jedem Fall ratsam, sich bereits vor dem Antritt des Erziehungsurlaubes über die Möglichkeiten des Wiedereinstiegs nach der Elternzeit im Unternehmen zu erkundigen. Denn sobald Sie den Erziehungsurlaub erst einmal angetreten sind, ist Ihre Verhandlungsposition wesentlich schlechter.

Wenn Sie Familie und Karriere unter einen Hut bringen wollen, sollten Sie so bald wie möglich wieder in den Beruf zurückkehren. Eine andere Möglichkeit wäre auch, die Elternzeit mit Ihrer Partnerin zu koordinieren.

Da Sie im Rahmen der Elternzeit bis zu 30 Stunden in der Woche arbeiten können, besteht eventuell auch die Möglichkeit eine Teilzeittätigkeit in Ihrer Firma zu übernehmen, um so  am Ball zu bleiben. Sollte dies nicht möglich sein, so denken Sie zumindest darüber nach, ab und zu eine Urlaubs- oder Krankheitsvertretung zu übernehmen.

Wertvolle Tipps für Berufsrückkehrer finden Sie HIER

Buchtipps:

Elterngeld [Broschiert]

Barbara Kettl-Römer (Autor), Jürgen Fischer (Herausgeber)

  • Broschiert: 128 Seiten
  • Verlag: Haufe-Lexware

Pressestimmen:

Information und Antwort auf die Frage, wie viel Elterngeld man bekommt und wie man den Antrag stellt, bietet der gerade erschienene Taschenguide ‘Elterngeld’ aus dem Rudolf Haufe Verlag. Autorin Barbara Kettl-Römer hat alles Wissenswerte zum Thema zusammengestellt. Beispielrechnungen bringen Licht ins Dunkel der Berechnungen. Offenburger Tageblatt 08.02.2007

Elternzeit und Elterngeld: Die Rechte für Mütter und Väter

Volker Votsmeier von Beck Juristischer Verlag

  • Broschiert: 128 Seiten
  • Verlag: Beck Juristischer Verlag

Kurzbeschreibung:

Das Elterngeld gilt als Erfolgsmodell: Immer mehr Eltern teilen sich die Elternzeit und die Betreuung des Nachwuchses in den ersten Monaten. Während das bisherige Erziehungsgeld nur Familien mit Erwerbseinkommen zugänglich war, stellt das neue Elterngeld eine Lohnersatzleistung dar, die gezielt den Einkommensverlust ausgleichen soll.

Lesen Sie in diesem Ratgeber, wie Sie vom neuen Gesetz und der praktischen Umsetzung durch die Behörden profitieren können:

Wie bekomme ich Elterngeld? Wer hat Anspruch auf Elterngeld?

Wie lange besteht Anspruch auf Elterngeld?

Wie wirkt sich eine Erwerbstätigkeit während der Elternzeit auf das Elterngeld aus?

Wie beantrage ich Elterngeld?

Welche steuerlichen Vorteile ergeben sich?

Rechte für Mütter und Väter: Ratgeber zu Mutterschutz, Elterngeld, Elternzeit [Broschiert]

J. Ebener (Autor)

  • Broschiert: 272 Seiten
  • Verlag: Bund-Verlag

Kurzbeschreibung:

Dieser Ratgeber vermittelt einen Überblick ber alles, was Eltern ber Erziehungsgeld und -urlaub, Kündigungsschutz, Leistungen der Krankenkasse sowie alle weiteren rechtlichen Themen rund um die Elternschaft wissen sollten.

Er enthält zahlreiche Detailinformationen angefangen von Problemen bei der Einstellung ber die Modalitäten des Kndigungsverbots, Schutzvorschriften am Arbeitsplatz sowie Schutzfristen vor und nach der Geburt, Mutterschaftsgeld, Erziehungsgeld und -urlaub bis hin zur Anrechnung von Erziehungszeiten auf die Rente und vieles mehr.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 2. Februar 2011 um 00:16 und abgelegt unter Spezial. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Ein Kommentar über “Väter im Erziehungsurlaub – Die Auszeit ein Karrierekiller?”

  1. Marie schrieb:

    Tolle Vorschläge, werd mir ein paar der Ratgeber gleich mal zu Gemüte führen :-)

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